Ringvorlesung SS2010

Empirie, Daten und Digitalisierung in den Geisteswissenschaften

Fakultät 4: Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaften

dienstags, 18 Uhr st
Campus A2.2, HS 2.02

In den Geisteswissenschaften ist in den letzten Jahren eine methodische Neuorientierung zu verzeichnen, die vielerorts als „empirische Wende“ bezeichnet wird. Diese Entwicklung wird maßgeblich durch die Tatsache befördert, dass erstmals größere Mengen an relevanten Daten (z.B. in der Sprachwissenschaft: Textdaten, sogenannte Corpora) digital verfügbar sind und so ein empirischer Zugang begünstigt wird. Untersuchungsgegenstand der Geisteswissenschaften sind typischerweise semiotische Artefakte, wie z.B. Texte oder Bilder.  Diese Artefakte sind inhärent komplex und ihre Analyse/Interpretation ist aufwändig und erfordert großes Erfahrungswissen. Mit den neuen Möglichkeiten der digitalen Aufbereitung kann einerseits mehr Material betrachtet werden, andererseits muss Erfahrungswissen zunehmend expliziert werden. Dadurch ändern sich die tradierten Praktiken geisteswissenschaftlicher Forschung: empirisch orientierte Vorgehensweisen werden grundsätzlich möglich und kollaboratives Arbeiten wird zunehmend nötig. Vor diesem Hintergrund stellt die Ringvorlesung die Frage nach der aktuellen Rolle von Daten, Digitalisierung und empirischen Methoden  in den Geisteswissenschaften und widmet sich entsprechend den folgenden drei Fragenkomplexen:
  • Daten. Was ist die Art und Beschaffenheit geisteswissenschaftlicher Daten (im Vergleich zu natur-, human- oder ingenieurwissenschaflichen Daten)?
  • Methoden. Was sind die Möglichkeiten, Herausforderungen und Grenzen datenorientierter Vorgehensweisen in den Geisteswissenschaften (Datensammlung/-erhebung, Datenaufbereitung, Datenauswertung und -interpretation)?
  • Technologie. Welche Rolle spielen der Einsatz und die Entwicklung digitaler Instrumente und Infrastrukturen für die geisteswissenschaftliche Forschung?
Die Vorlesung ist offen für alle Interessierten. Information Flyer    -   Poster    -   Abstracts
20.4. “I think you should be more explicit here in step two”
Möglichkeiten und Herausforderungen empirischer Forschung in den Geisteswissenschaften

Elke Teich, Englische Sprach- und Übersetzungswissenschaft, Saarbrücken, Slides 27.4.  Wissen im Web
Gerhard Weikum
(MPI, Saarbrücken), Slides , Abstract 4.5.  Language in the mind: Evidence from real-time data during written and spoken comprehension,
Matthew Crocker
, Psycholinguistik, Saarbrücken, Slides , Abstract 11.5.  Daten als Dienste: Erschließung und Nutzung digitaler Wörterbücher,
Andrea Rapp, Ältere deutsche Philologie, Trier,  Slides, Abstract 25.5. Emprirische Literaturwissenschaft
Fotis Jannidis, Germanistische Literaturwissenschaft / Computerphilologie, Würzburg, Slides, Abstract 1.6.  Mercurius und Wenker: Vom Nutzen historischer Baumbanken und digitaler Atlanten
Ulrike Demske, Germanistische Linguistik, Saarbrücken, Slides, Abstract 8.6.  Idiome in Sprecherdaten und Wörterbüchern
Christiane Fellbaum, Informatik, Princeton / BBAW, Berlin, Slides 15.6.  Terminologie in der virtuellen Produktentstehung
Reiner Anderl, Maschinenbau, TU Darmstadt, Slides, Abstract 22.6.  Dihairesen und Datenbanken – von Platon zur Medizinontologie
Niko Strobach & Mathias Brochhausen, Philosophie / IFOMIS, Saarbrücken, Abstract 29.6.  Podiumsdiskussion: Empirie, Daten und Digitalisierung in der Sprachwissenschaft 6.7.  Descriptive markup and the concept of text
Michael Sperberg-McQueen, MIT / Black Mesa Technologies, Abstract